Ernährung Aktualisiert: 18. Januar 2026 5 Min. Lesezeit

Proteinrechner - Berechnen Sie Ihren optimalen Proteinbedarf

Unser kostenloser Proteinrechner hilft Ihnen dabei, Ihren individuellen täglichen Proteinbedarf präzise zu ermitteln. Egal ob Muskelaufbau, Gewichtsabnahme, Gesundheitserhaltung oder sportliche Leistung - berechnen Sie Ihre optimale Eiweißzufuhr basierend auf wissenschaftlichen Empfehlungen und DGE-Richtlinien.

Warum ist Protein so wichtig?

Protein (Eiweiß) ist der essenzielle Baustein des Lebens und erfüllt zahlreiche lebenswichtige Funktionen in unserem Körper:

  • Muskelaufbau und -erhalt: Protein ist der Hauptbaustoff für Muskelmasse
  • Gewebereparatur: Reparatur und Regeneration von Zellen und Geweben
  • Enzymp und Hormone: Produktion lebenswichtiger Enzyme und Hormone
  • Immunsystem: Stärkung der Abwehrkräfte durch Antikörperbildung
  • Sättigung: Fördert langanhaltende Sättigung und reduziert Heißhunger
  • Stoffwechsel: Höherer thermischer Effekt als Kohlenhydrate oder Fette

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kg

Wie viel Protein brauche ich täglich?

Die optimale Proteinzufuhr variiert je nach individuellem Aktivitätslevel, Zielen und körperlichen Voraussetzungen. Hier sind die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen:

Grundbedarf nach DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht als Mindestbedarf. Dies gilt für gesunde Erwachsene mit normaler körperlicher Aktivität.

Beispiel für 70 kg Körpergewicht:

  • Minimalbedarf: 70 kg × 0,8 g = 56 g Protein pro Tag

Diese Menge deckt die grundlegenden physiologischen Bedürfnisse, ist jedoch für sportlich aktive Menschen oder spezielle Ziele oft nicht ausreichend.

Proteinbedarf nach Aktivitätslevel

Sitzende Tätigkeit (Sedentär):

  • 0,8-1,0 g/kg Körpergewicht
  • Büroarbeit, wenig Bewegung
  • Beispiel (70 kg): 56-70g Protein/Tag

Leichte Aktivität:

  • 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht
  • Leichter Sport 1-2x/Woche, aktiver Alltag
  • Beispiel (70 kg): 70-84g Protein/Tag

Moderate Aktivität:

  • 1,2-1,6 g/kg Körpergewicht
  • Sport 3-4x/Woche, moderate Intensität
  • Beispiel (70 kg): 84-112g Protein/Tag

Hohe Aktivität (Kraftsport/Leistungssport):

  • 1,6-2,2 g/kg Körpergewicht
  • Intensives Training 5-6x/Woche, Muskelaufbau
  • Beispiel (70 kg): 112-154g Protein/Tag

Sehr hohe Aktivität (Profisportler):

  • 2,0-2,5 g/kg Körpergewicht
  • Tägliches intensives Training, Wettkampfvorbereitung
  • Beispiel (70 kg): 140-175g Protein/Tag

Proteinbedarf nach Zielen

Gewichtserhaltung:

  • 1,0-1,4 g/kg Körpergewicht
  • Normales Aktivitätslevel
  • Ausgewogene Ernährung

Gewichtsabnahme/Diät:

  • 1,6-2,4 g/kg Körpergewicht
  • Höhere Proteinzufuhr schützt Muskelmasse während Kaloriendefizit
  • Fördert Sättigung und reduziert Appetit
  • Höherer thermischer Effekt unterstützt Fettverbrennung

Muskelaufbau (Hypertrophie):

  • 1,6-2,2 g/kg Körpergewicht
  • Optimal für Muskelproteinsynthese
  • Kombination mit Krafttraining
  • Kalorienüberschuss empfohlen

Definition/Body Recomposition:

  • 2,0-2,5 g/kg Körpergewicht
  • Gleichzeitiger Fett- und Muskelerhalt
  • Moderates Kaloriendefizit
  • Hohe Proteinsynthese trotz Diät

Proteinbedarf in besonderen Lebensphasen

Proteinbedarf bei Älteren

Ältere Erwachsene (65+ Jahre):

  • 1,0-1,5 g/kg Körpergewicht
  • Höherer Bedarf zur Vorbeugung von Sarkopenie (Muskelschwund)
  • Schlechtere Proteinverwertung im Alter
  • Wichtig für Knochengesundheit und Sturzprävention

Empfohlene Strategien:

  • Gleichmäßige Verteilung über den Tag (3-4 Mahlzeiten)
  • 25-30g Protein pro Mahlzeit für optimale Synthese
  • Hochwertige, leicht verdauliche Proteinquellen
  • Kombination mit Vitamin D und Kalzium

Proteinbedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft:

  • +10g zusätzlich zum Grundbedarf (ab 2. Trimester)
  • Etwa 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht
  • Wichtig für fetale Entwicklung
  • DGE-Empfehlung: mindestens 58g/Tag

Stillzeit:

  • +23g zusätzlich zum Grundbedarf
  • Etwa 1,2-1,5 g/kg Körpergewicht
  • Muttermilchproduktion benötigt zusätzliches Protein
  • DGE-Empfehlung: mindestens 63g/Tag

Proteinbedarf bei Jugendlichen

Jugendliche (15-19 Jahre):

  • 0,9-1,0 g/kg Körpergewicht (Grundbedarf)
  • Bei Sport: 1,3-1,8 g/kg Körpergewicht
  • Wachstumsphase benötigt ausreichend Protein
  • Wichtig für kognitive Entwicklung

Hochwertige Proteinquellen

Tierische Proteinquellen (hohe biologische Wertigkeit)

Fleisch und Geflügel:

  • Hähnchenbrust: 31g Protein/100g (mager, vielseitig)
  • Putenbrust: 29g Protein/100g (fettarm, reich an B-Vitaminen)
  • Rindfleisch (mager): 26g Protein/100g (reich an Eisen, Zink, B12)
  • Schweinefleisch (mager): 25g Protein/100g (Thiamin, Selen)

Fisch und Meeresfrüchte:

  • Thunfisch: 30g Protein/100g (Omega-3-Fettsäuren)
  • Lachs: 25g Protein/100g (Omega-3, Vitamin D)
  • Forelle: 24g Protein/100g (Jod, Selen)
  • Garnelen: 24g Protein/100g (fettarm, reich an Selen)

Milchprodukte:

  • Magerquark: 12g Protein/100g (Kasein, langsame Verdauung)
  • Griechischer Joghurt: 10g Protein/100g (Probiotika)
  • Skyr: 11g Protein/100g (isländische Spezialität, sehr fettarm)
  • Hüttenkäse: 11g Protein/100g (kalorienarm)
  • Harzer Käse: 30g Protein/100g (sehr fettarm, intensiv)

Eier:

  • Vollei: 13g Protein/100g (alle essentiellen Aminosäuren)
  • Eiweiß: 11g Protein/100g (fettfrei)
  • Höchste biologische Wertigkeit (100)

Pflanzliche Proteinquellen

Hülsenfrüchte:

  • Rote Linsen: 26g Protein/100g (getrocknet)
  • Kichererbsen: 19g Protein/100g (getrocknet)
  • Schwarze Bohnen: 21g Protein/100g (getrocknet)
  • Edamame: 11g Protein/100g (grüne Sojabohnen)
  • Kidney-Bohnen: 24g Protein/100g (getrocknet)

Sojaprodukte:

  • Tofu: 16g Protein/100g (vielseitig, alle essentiellen Aminosäuren)
  • Tempeh: 19g Protein/100g (fermentiert, bessere Verdauung)
  • Sojamilch: 3-4g Protein/100ml (Milchalternative)
  • Texturiertes Soja (TVP): 50g Protein/100g (getrocknet)

Getreide und Pseudogetreide:

  • Quinoa: 14g Protein/100g (getrocknet, alle essentiellen AS)
  • Haferflocken: 13g Protein/100g (Ballaststoffe, Beta-Glucane)
  • Dinkel: 15g Protein/100g (alt deutsche Getreidesorte)
  • Amaranth: 14g Protein/100g (glutenfrei)

Nüsse und Samen:

  • Kürbiskerne: 30g Protein/100g (Zink, Magnesium)
  • Hanfsamen: 31g Protein/100g (Omega-3, alle essentiellen AS)
  • Chiasamen: 17g Protein/100g (Omega-3, Ballaststoffe)
  • Mandeln: 21g Protein/100g (Vitamin E)
  • Erdnussbutter: 25g Protein/100g (natürlich, ohne Zusätze)

Seitan (Weizeneiweiß):

  • 75g Protein/100g (höchster pflanzlicher Proteingehalt)
  • Fleischähnliche Konsistenz
  • Nicht geeignet bei Glutenunverträglichkeit

Proteinpulver und Supplements

Whey Protein (Molkenprotein):

  • 70-80g Protein/100g Pulver
  • Schnelle Absorption (ideal nach Training)
  • Hohe biologische Wertigkeit
  • Reich an BCAAs (verzweigtkettige Aminosäuren)

Casein Protein:

  • 70-85g Protein/100g Pulver
  • Langsame Absorption (ideal vor dem Schlaf)
  • Langanhaltende Aminosäurezufuhr
  • Gut für Muskelerhalt über Nacht

Pflanzliche Proteinpulver:

  • Erbsenprotein: 80-85g Protein/100g (allergenarm)
  • Reisprotein: 70-80g Protein/100g (hypoallergen)
  • Hanfprotein: 50g Protein/100g (Omega-3, Ballaststoffe)
  • Mehrkomponenten-Mix: Kombination für vollständiges Aminosäureprofil

Wann sind Proteinpulver sinnvoll?

  • Bequemlichkeit und Zeitersparnis
  • Post-Workout-Nutrition (schnelle Verfügbarkeit)
  • Schwierigkeiten, Proteinbedarf über Ernährung zu decken
  • Vegetarische/vegane Ernährung
  • Reisen und unterwegs
  • Nicht zwingend erforderlich - Vollwertkost bevorzugen

Biologische Wertigkeit und Proteinqualität

Was ist biologische Wertigkeit?

Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie effizient der Körper ein Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umwandeln kann. Je höher der Wert, desto besser kann das Protein verwertet werden.

Referenzwert: Vollei = 100

Proteinquellen nach biologischer Wertigkeit:

ProteinquelleBiologische Wertigkeit
Vollei100
Whey Protein104-110
Rindfleisch92
Kuhmilch88
Fisch83-96
Geflügel79
Casein77
Soja74-84
Reis83
Bohnen72
Weizen56

Proteinkombinationen für höhere Wertigkeit:

Pflanzliche Proteine haben oft ein unvollständiges Aminosäureprofil. Durch Proteinkombinationen kann die biologische Wertigkeit erhöht werden:

Erfolgreiche Kombinationen:

  • Reis + Bohnen = Biologische Wertigkeit 99
  • Mais + Bohnen = Biologische Wertigkeit 101
  • Vollkornbrot + Erdnussbutter = Höhere Wertigkeit
  • Hafer + Sojamilch = Vollständiges Aminosäureprofil

Prinzip: Getreide ist oft arm an Lysin, Hülsenfrüchte an Methionin - kombiniert ergänzen sie sich perfekt.

Optimales Protein-Timing für maximale Ergebnisse

Proteinverteilung über den Tag

Wissenschaftlicher Konsens: Gleichmäßige Verteilung ist optimal für Muskelproteinsynthese.

Empfohlene Verteilung:

  • 3-5 Mahlzeiten mit je 20-40g Protein
  • Mindestens 20g Protein pro Mahlzeit für maximale Synthese
  • Obergrenze: 30-40g Protein pro Mahlzeit (mehr bringt keinen zusätzlichen Vorteil)

Beispiel für 140g Protein/Tag:

  • Frühstück: 30g (Haferflocken, Skyr, Ei)
  • Mittagessen: 40g (Hähnchen, Quinoa, Gemüse)
  • Snack: 25g (Proteinshake oder Quark)
  • Abendessen: 45g (Lachs, Süßkartoffel, Brokkoli)

Pre-Workout Protein (1-3 Stunden vor Training)

Ziel: Aminosäuren im Blutkreislauf verfügbar für Training

Empfohlene Menge: 20-30g Protein

Beispiele:

  • Haferflocken mit Proteinpulver
  • Quark mit Beeren
  • Vollkornbrot mit Putenbrust
  • Rührei mit Vollkorntoast

Post-Workout Protein (0-2 Stunden nach Training)

Anaboles Fenster: Innerhalb 2 Stunden nach Training optimal, aber nicht kritisch

Empfohlene Menge: 20-40g schnell verdauliches Protein

Beispiele:

  • Whey Proteinshake mit Banane
  • Magerquark mit Haferflocken
  • Hühnerbrust mit Reis
  • Fisch mit Kartoffeln

Wissenschaftlicher Konsens: Die Gesamtproteinzufuhr über den Tag ist wichtiger als das exakte Timing.

Protein vor dem Schlaf

Kasein vor dem Schlafen kann Muskelabbau über Nacht verhindern und Proteinsynthese fördern.

Empfohlene Menge: 30-40g langsam verdauliches Protein

Beispiele:

  • Magerquark (reich an Kasein)
  • Kasein-Proteinshake
  • Hüttenkäse
  • Griechischer Joghurt mit Nüssen

Vorteil: 7-8 Stunden Schlaf ohne Proteinzufuhr - Kasein versorgt Muskeln kontinuierlich.

Proteinbedarf für Vegetarier und Veganer

Besonderheiten pflanzlicher Proteine

Herausforderungen:

  • Niedrigere biologische Wertigkeit
  • Oft unvollständiges Aminosäureprofil
  • Geringere Leucin-Konzentration (wichtig für Muskelaufbau)
  • Höhere Ballaststoffe können Verdauung beeinflussen

Lösungen:

  • 10-20% höhere Proteinzufuhr empfohlen (1,0 → 1,2 g/kg)
  • Proteinkombinationen nutzen
  • Mehrere Proteinquellen pro Tag
  • Eventuell Supplementierung (BCAA, Leucin)

Optimale vegane Proteinquellen

Täglich kombinieren:

  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
  • Sojaprodukte (Tofu, Tempeh, Edamame)
  • Getreide und Pseudogetreide (Quinoa, Haferflocken)
  • Nüsse und Samen (Mandeln, Hanfsamen, Kürbiskerne)
  • Pflanzliches Proteinpulver

Beispiel veganer Tagesplan (140g Protein):

Frühstück (30g):

  • 80g Haferflocken mit 30g pflanzlichem Proteinpulver
  • 2 EL Hanfsamen
  • Sojamilch

Mittagessen (40g):

  • 200g Tofu gebraten
  • 100g Quinoa
  • Gemüse

Snack (25g):

  • 200g Sojajoghurt
  • 30g Mandeln

Abendessen (45g):

  • 150g Linsen
  • Vollkornreis
  • Seitan-Streifen

Kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung

Bei pflanzlicher Ernährung auf ausreichende Zufuhr achten:

  • Vitamin B12: Supplementierung zwingend erforderlich
  • Eisen: Pflanzliches Eisen schlechter verfügbar (mit Vitamin C kombinieren)
  • Zink: In Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen
  • Omega-3 (EPA/DHA): Algenöl-Supplementierung empfohlen
  • Vitamin D: Supplementierung in Deutschland oft notwendig

Häufige Fehler beim Proteinkonsum

1. Zu wenig Protein beim Abnehmen

Problem: Kaloriendefizit ohne ausreichend Protein führt zu Muskelverlust

Folgen:

  • Verlangsamter Stoffwechsel
  • Jojo-Effekt nach Diät
  • Schwäche und Leistungsabfall
  • “Skinny Fat” Erscheinung

Lösung: 1,8-2,4g Protein/kg während Diät, kombiniert mit Krafttraining

2. Ungleichmäßige Proteinverteilung

Problem: 80% der Proteinzufuhr beim Abendessen

Warum suboptimal:

  • Muskelproteinsynthese wird nur einmal aktiviert
  • Keine kontinuierliche Versorgung über den Tag
  • Geringere Sättigung tagsüber

Lösung: 3-5 Mahlzeiten mit je 20-40g Protein gleichmäßig verteilt

3. Zu viel Protein auf einmal

Mythos: “Mehr Protein = mehr Muskelaufbau”

Realität:

  • Über 30-40g Protein pro Mahlzeit bringt keinen zusätzlichen Vorteil für Muskelaufbau
  • Überschüssiges Protein wird zu Energie verstoffwechselt
  • Nicht schädlich, aber ineffizient

Optimal: 20-40g Protein pro Mahlzeit, 3-5x täglich

4. Proteinqualität ignorieren

Problem: Nur minderwertige Proteinquellen (z.B. Wurst, paniertes Fleisch)

Besser:

  • Priorisieren Sie magere, unverarbeitete Proteinquellen
  • Vielfalt für vollständiges Aminosäureprofil
  • Hochwertige Lebensmittel für Mikronährstoffe

5. Flüssige Proteine als vollständigen Ersatz

Problem: Nur Proteinshakes, keine Vollwertkost

Nachteile:

  • Fehlen von Ballaststoffen
  • Geringere Sättigung
  • Mikronährstoffe fehlen
  • Schlechtere Verdauung

Empfehlung: Proteinpulver als Ergänzung, nicht als Ersatz (maximal 1-2 Shakes/Tag)

Kann man zu viel Protein essen?

Ist hoher Proteinkonsum schädlich?

Wissenschaftlicher Konsens: Für gesunde Menschen ist hoher Proteinkonsum (bis 2,5 g/kg) unbedenklich.

Studien zeigen:

  • Keine Nierenschädigung bei gesunden Menschen
  • Keine negativen Auswirkungen auf Knochengesundheit
  • Keine Leberschädigung bei normaler Gesundheit

Ausnahmen (Vorsicht geboten):

  • Vorbestehende Nierenerkrankung
  • Fortgeschrittene Lebererkrankung
  • Bestimmte Stoffwechselerkrankungen

Empfehlung: Bei Vorerkrankungen ärztliche Rücksprache

Gibt es eine Obergrenze?

Praktische Obergrenze: 2,5-3,0 g/kg Körpergewicht

Warum nicht mehr?

  • Keine zusätzlichen Vorteile für Muskelaufbau
  • Verdrängt andere wichtige Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Fette)
  • Teurer und unpraktisch
  • Verdauungsprobleme möglich

Optimal für die meisten Ziele: 1,6-2,2 g/kg Körpergewicht

Protein und deutsche Ernährungsgewohnheiten

Typischer Proteinkonsum in Deutschland

Durchschnittliche Proteinzufuhr:

  • Männer: ca. 85g/Tag (1,1 g/kg bei 77kg Durchschnittsgewicht)
  • Frauen: ca. 64g/Tag (1,0 g/kg bei 64kg Durchschnittsgewicht)

Verteilung:

  • 60% tierisches Protein (Fleisch, Wurst, Milchprodukte)
  • 40% pflanzliches Protein (Brot, Kartoffeln, Hülsenfrüchte)

Beliebte deutsche Proteinquellen

Traditionelle deutsche Küche:

  • Magerquark: Deutscher Fitness-Klassiker, sehr günstig
  • Harzer Käse: Höchster Proteingehalt aller Käsesorten, sehr fettarm
  • Vollkornbrot: Tägliches Grundnahrungsmittel, kombiniert mit Quark
  • Haferflocken: Frühstücks-Standard in Fitnesskreisen

Moderne Protein-Trends:

  • Skyr: Isländisches Produkt, in Deutschland sehr beliebt
  • Proteinriegel: Praktisch für unterwegs
  • High-Protein-Produkte: Joghurt, Pudding mit erhöhtem Proteingehalt

Deutsche Besonderheiten

Brotkultur:

  • Vollkornbrot liefert 8-10g Protein/100g
  • Mit Quark, Putenbrust oder Käse kombiniert: proteinreiche Mahlzeit
  • Viele Deutsche essen 2-3 Brotmahlzeiten/Tag

Magerquark-Klassiker:

  • Sehr günstig (ca. 1€/500g)
  • 12g Protein/100g
  • Vielseitig: süß oder herzhaft
  • Kaseinreich (langsame Verdauung)

Protein-Mythen aufgeklärt

Mythos 1: “Zu viel Protein schädigt die Nieren”

Wahrheit: Bei gesunden Menschen gibt es keine Evidenz für Nierenschädigung durch hohen Proteinkonsum.

Studien: Auch bei 2,5-3,0 g/kg über Jahre keine negativen Effekte bei gesunden Probanden.

Einschränkung: Bei bestehender Nierenerkrankung Proteinrestriktion notwendig - ärztliche Beratung!

Mythos 2: “Der Körper kann nur 30g Protein pro Mahlzeit verwerten”

Wahrheit: Der Körper kann prinzipiell unbegrenzt Protein aufnehmen und verwerten.

Richtig ist: Für maximale Muskelproteinsynthese reichen 20-40g pro Mahlzeit.

Mehr Protein wird:

  • Zur Energiegewinnung genutzt
  • Zu Glukose umgewandelt (Glukoneogenese)
  • Nicht “verschwendet”, aber nicht optimal für Muskelaufbau

Mythos 3: “Pflanzliches Protein ist minderwertig”

Wahrheit: Pflanzliche Proteine können bei richtiger Kombination gleichwertig sein.

Richtig kombiniert:

  • Reis + Bohnen = Biologische Wertigkeit 99
  • Quinoa alleine = Alle essentiellen Aminosäuren
  • Soja = Sehr hochwertig (BW 74-84)

Empfehlung: Etwas mehr pflanzliches Protein (10-20% höher) für Sicherheit.

Mythos 4: “Protein direkt nach Training ist kritisch”

Wahrheit: Das “anabole Fenster” ist weitaus größer als früher gedacht.

Wissenschaft:

  • 0-2 Stunden nach Training: optimal, aber nicht kritisch
  • Gesamtproteinzufuhr über 24h wichtiger als exaktes Timing
  • Pre-Workout-Protein verlängert anaboles Fenster

Empfehlung: Innerhalb 2-3 Stunden nach Training Protein aufnehmen - stressfrei und praktikabel.

Mythos 5: “Whey Protein ist unnatürlich und schädlich”

Wahrheit: Whey (Molke) ist ein natürliches Milchprodukt.

Fakten:

  • Nebenprodukt der Käseherstellung
  • Seit Jahrhunderten bekannt und genutzt
  • Einfach konzentriert und getrocknet
  • Gleiche Aminosäuren wie in Milch

Nicht notwendig, aber praktisch: Vollwertkost kann Proteinbedarf decken - Whey ist Convenience-Produkt.

Proteinrechner richtig nutzen

So verwenden Sie den Rechner optimal

Schritt 1: Genaues Gewicht eingeben

  • Am besten morgens nach Toilettengang wiegen
  • Nüchtern für konsistente Werte
  • Wochendurchschnitt verwenden bei Schwankungen

Schritt 2: Aktivitätslevel realistisch einschätzen

  • Sedentär: Bürojob, kein Sport
  • Leicht aktiv: 1-2x leichter Sport/Woche
  • Mäßig aktiv: 3-4x moderater Sport/Woche
  • Sehr aktiv: 5-6x intensives Training/Woche
  • Extrem aktiv: Tägliches intensives Training

Schritt 3: Ziel definieren

  • Abnehmen: Höherer Proteinbedarf (Muskelerhal)
  • Muskelaufbau: Moderater bis hoher Proteinbedarf
  • Gewicht halten: Standard-Proteinbedarf

Interpretation der Ergebnisse

Täglicher Proteinbedarf in Gramm:

  • Ihre Ziel-Proteinmenge für den Tag
  • Auf ±5-10% genau einhalten (kein Stress)

Protein pro kg Körpergewicht:

  • Standardisierter Wert für Vergleiche
  • Hilfreich bei Gewichtsänderungen

Kalorien aus Protein:

  • Protein liefert 4 kcal/g
  • Anteil an Gesamtkalorien

Prozentsatz der Diät:

  • Wie viel % Ihrer Kalorien aus Protein kommen sollten
  • Typisch: 20-35% je nach Ziel

Den Rechner in die Praxis umsetzen

1. Tracking-App nutzen:

  • MyFitnessPal, YAZIO, Fddb
  • Barcode-Scanner für einfaches Logging
  • Zielmenge aus Rechner eingeben

2. Lebensmittel portionieren:

  • Küchenwaage verwenden (±5g genau)
  • Proteinreiche Lebensmittel priorisieren
  • Meal Prep für Konsistenz

3. Fortschritt überwachen:

  • 2-4 Wochen testen
  • Gewicht, Kraft, Körperzusammensetzung tracken
  • Bei Bedarf anpassen

4. Flexibel bleiben:

  • 80% Compliance ist oft ausreichend
  • Nicht jeden Tag perfekt treffen
  • Wochendurchschnitt zählt

Praktische Protein-Mahlzeiten

Hochprotein Frühstücksideen (30-40g Protein)

Option 1: Power-Haferflocken

  • 80g Haferflocken (10g Protein)
  • 30g Proteinpulver (24g Protein)
  • 200ml Milch oder Sojamilch (6g Protein)
  • Beeren und Zimt
  • Gesamt: ~40g Protein, 450 kcal

Option 2: Protein-Pfannkuchen

  • 2 ganze Eier (13g Protein)
  • 50g Haferflocken (6g Protein)
  • 100g Magerquark (12g Protein)
  • Banane
  • Gesamt: ~31g Protein, 400 kcal

Option 3: Herzhaftes Vollkornbrot

  • 2 Scheiben Vollkornbrot (8g Protein)
  • 200g Magerquark (24g Protein)
  • 2 hart gekochte Eier (12g Protein)
  • Tomate, Gurke
  • Gesamt: ~44g Protein, 450 kcal

Hochprotein Mittagessen (40-50g Protein)

Option 1: Hähnchen-Bowl

  • 200g Hähnchenbrust (62g Protein)
  • 150g Quinoa (6g Protein gekocht)
  • Gemüse nach Wahl
  • Gesamt: ~68g Protein, 550 kcal

Option 2: Lachs mit Kartoffeln

  • 200g Lachs (50g Protein)
  • 250g Kartoffeln (5g Protein)
  • Brokkoli
  • Gesamt: ~55g Protein, 600 kcal

Option 3: Vegane Linsen-Curry

  • 200g gekochte Linsen (18g Protein)
  • 150g Tofu (24g Protein)
  • Reis (4g Protein)
  • Kokosmilch, Gemüse
  • Gesamt: ~46g Protein, 650 kcal

Hochprotein Snacks (15-25g Protein)

Schnelle Snacks:

  • 200g Magerquark + Beeren (24g Protein)
  • 200g Skyr + Nüsse (22g Protein)
  • Whey Shake mit Wasser (25g Protein)
  • 3 hart gekochte Eier (19g Protein)
  • 100g Beef Jerky (40g Protein - teuer)

Vegane Snacks:

  • 200g Sojajoghurt + 30g Mandeln (15g Protein)
  • Smoothie: Pflanzliches Proteinpulver + Banane + Spinat (25g Protein)
  • Hummus (100g) mit Gemüse-Sticks (8g Protein)

Hochprotein Abendessen (40-50g Protein)

Option 1: Putensteak

  • 250g Putenbrust (73g Protein)
  • Süßkartoffeln (3g Protein)
  • Salat mit Olivenöl
  • Gesamt: ~76g Protein, 550 kcal

Option 2: Rindfleisch-Gemüse-Pfanne

  • 200g mageres Rindfleisch (52g Protein)
  • Viel buntes Gemüse
  • 100g Vollkornreis (3g Protein)
  • Gesamt: ~55g Protein, 600 kcal

Option 3: Vegetarisches Chili

  • 200g Kidneybohnen (18g Protein)
  • 150g Tofu (24g Protein)
  • Tomaten, Paprika, Mais
  • Vollkornbrot (6g Protein)
  • Gesamt: ~48g Protein, 550 kcal

Häufig gestellte Fragen

Wie genau muss ich meinen Proteinbedarf einhalten?

Eine Abweichung von ±5-10% ist völlig in Ordnung. Der Wochendurchschnitt ist wichtiger als tägliche Perfektion. Wenn Sie 140g als Ziel haben, sind 130-150g absolut akzeptabel.

Kann ich meinen gesamten Proteinbedarf mit Shakes decken?

Technisch ja, aber nicht empfehlenswert. Vollwertkost liefert wichtige Mikronährstoffe, Ballaststoffe und bessere Sättigung. Maximal 1-2 Shakes täglich als Ergänzung nutzen, den Rest über normale Lebensmittel.

Ist tierisches oder pflanzliches Protein besser?

Tierisches Protein hat meist höhere biologische Wertigkeit und vollständiges Aminosäureprofil. Pflanzliches Protein bringt jedoch Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Eine Kombination aus beiden ist ideal - etwa 60% tierisch, 40% pflanzlich.

Brauche ich mehr Protein, wenn ich älter werde?

Ja! Ab 65 Jahren wird eine höhere Proteinzufuhr (1,0-1,5 g/kg) empfohlen, um Muskelschwund (Sarkopenie) vorzubeugen. Ältere Menschen verwerten Protein weniger effizient.

Hilft mehr Protein beim Abnehmen?

Absolut! Protein fördert Sättigung, erhöht den Stoffwechsel (thermischer Effekt) und schützt Muskelmasse während eines Kaloriendefizits. Bei Diäten 1,8-2,4 g/kg empfohlen.

Sollte ich Protein vor oder nach dem Training essen?

Beides ist sinnvoll! Pre-Workout Protein stellt Aminosäuren während des Trainings bereit. Post-Workout Protein unterstützt Regeneration. Die Gesamtmenge über den Tag ist jedoch wichtiger als das exakte Timing.

Sind Proteinriegel eine gute Proteinquelle?

Kommt auf die Qualität an. Viele Riegel enthalten viel Zucker und Fett. Achten Sie auf mindestens 15g Protein bei maximal 5g Zucker pro Riegel. Sie sind praktisch für unterwegs, aber kein Ersatz für echte Lebensmittel.

Wie viel Protein brauchen Veganer zusätzlich?

Etwa 10-20% mehr als bei Mischkost empfohlen. Bei einem Ziel von 1,6 g/kg für Muskelaufbau sollten Veganer 1,8-2,0 g/kg anstreben, da pflanzliches Protein oft niedrigere biologische Wertigkeit hat.

Ist Proteinpulver sicher auf Dauer?

Ja, hochwertige Proteinpulver sind sicher für langfristigen Konsum. Achten Sie auf geprüfte Qualität (z.B. Kölner Liste für Sportler), vermeiden Sie übermäßig viele Zusatzstoffe. Es ist konzentrierte Milch oder Pflanzenprotein.

Kann zu viel Protein dick machen?

Nur wenn Sie dadurch insgesamt zu viele Kalorien aufnehmen. Protein selbst ist sehr sättigend und hat einen hohen thermischen Effekt (30% der Kalorien für Verdauung). Es ist der am wenigsten “dick machende” Makronährstoff.

Fazit

Der richtige Proteinbedarf ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab - Aktivitätslevel, Ziele, Alter und Ernährungsweise. Unser Proteinrechner liefert Ihnen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen als Ausgangspunkt.

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Grundbedarf: 0,8 g/kg (DGE-Minimum)
  • Sportlich aktiv: 1,4-2,2 g/kg
  • Abnehmen: 1,8-2,4 g/kg (Muskelschutz)
  • Muskelaufbau: 1,6-2,2 g/kg (optimal)
  • Ältere Menschen: 1,0-1,5 g/kg (Sarkopenie-Prävention)
  • Gleichmäßige Verteilung: 20-40g pro Mahlzeit, 3-5x täglich

Nutzen Sie die berechneten Werte als Richtlinie, beobachten Sie Ihren Fortschritt über 2-4 Wochen und passen Sie bei Bedarf an. Protein ist das Fundament für Muskelerhalt, Sättigung und optimale Körperzusammensetzung.

Beginnen Sie heute mit der Optimierung Ihrer Proteinzufuhr - berechnen Sie Ihren individuellen Bedarf und erreichen Sie Ihre Gesundheits- und Fitnessziele!


Wichtiger Hinweis: Dieser Rechner und die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken. Sie ersetzen keine professionelle Ernährungsberatung, medizinische Beratung oder Behandlung. Bei Vorerkrankungen (insbesondere Nieren- oder Lebererkrankungen), Essstörungen, Schwangerschaft oder anderen gesundheitlichen Bedenken konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt, Ernährungsberater (DGE-zertifiziert) oder Diätassistenten, bevor Sie signifikante Änderungen an Ihrer Proteinzufuhr oder Ernährung vornehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bietet evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen.

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