Körperoberfläche Rechner - KOF Berechnen
Die Körperoberfläche (KOF), auch als Body Surface Area (BSA) bekannt, ist ein wichtiger medizinischer Parameter zur präzisen Dosierung von Medikamenten, insbesondere in der Onkologie und Intensivmedizin. Unser kostenloser Körperoberfläche Rechner ermöglicht Ihnen eine schnelle und genaue Berechnung Ihrer BSA anhand verschiedener wissenschaftlich validierter Formeln wie Mosteller, Du Bois, Haycock und Gehan & George.
Die Kenntnis Ihrer Körperoberfläche ist besonders relevant für die Chemotherapie-Dosierung, Verbrennungsbeurteilung nach der Neuner-Regel, Nierenfunktionsberechnung (GFR) und kardiovaskuläre Parameter wie den Herzindex. Nutzen Sie unseren Rechner, um Ihre KOF in Quadratmetern (m²) zu ermitteln und erfahren Sie mehr über die medizinischen Anwendungen dieses wichtigen Messwerts.
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Was ist die Körperoberfläche (KOF)?
Die Körperoberfläche (KOF) oder Body Surface Area (BSA) ist die gemessene oder berechnete Oberfläche des menschlichen Körpers, ausgedrückt in Quadratmetern (m²). Sie stellt einen fundamentalen Parameter in der Medizin dar, da viele physiologische Prozesse besser zur Körperoberfläche als zum Körpergewicht korrelieren.
Im Gegensatz zum Body-Mass-Index (BMI), der nur Gewicht und Größe berücksichtigt, bietet die KOF eine genauere Grundlage für medizinische Berechnungen. Dies liegt daran, dass metabolische Prozesse, Wärmeaustausch und die Aufnahme sowie Ausscheidung von Substanzen stärker von der Körperoberfläche abhängen als vom Körpergewicht allein.
Die durchschnittliche Körperoberfläche eines erwachsenen Mannes beträgt etwa 1,9 m², während Frauen durchschnittlich eine KOF von 1,6 m² aufweisen. Bei Kindern variiert die Körperoberfläche stark mit dem Alter und der Entwicklung.
Historische Entwicklung
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Körperoberfläche begann im frühen 20. Jahrhundert. Die Du Bois-Formel, entwickelt 1916 von Eugene F. Du Bois und Delafield Du Bois, war eine der ersten standardisierten Methoden zur BSA-Berechnung. Seitdem wurden zahlreiche Formeln entwickelt, um die Genauigkeit für verschiedene Populationen und klinische Anwendungen zu verbessern.
Berechnungsformeln für die Körperoberfläche
Es existieren mehrere wissenschaftlich validierte Formeln zur Berechnung der Körperoberfläche. Jede hat spezifische Vor- und Nachteile sowie bevorzugte Anwendungsbereiche.
Mosteller-Formel (Empfohlen)
Die Mosteller-Formel gilt als die einfachste und am häufigsten verwendete Methode zur BSA-Berechnung:
BSA (m²) = √[(Körpergröße (cm) × Gewicht (kg)) / 3600]
Diese 1987 von R.D. Mosteller veröffentlichte Formel hat sich aufgrund ihrer Einfachheit und Genauigkeit zum Standard in vielen klinischen Bereichen entwickelt. Sie ist besonders für die Dosierung von Chemotherapeutika anerkannt und wird von der FDA und EMA empfohlen.
Vorteile:
- Einfache Berechnung
- Hohe Genauigkeit für Erwachsene
- Weitgehend akzeptierter Standard
- Gut validiert für onkologische Anwendungen
Einschränkungen:
- Kann bei extremer Adipositas leicht ungenau werden
- Weniger präzise bei sehr kleinen Kindern
Du Bois-Formel
Die klassische Du Bois-Formel aus dem Jahr 1916 ist eine der ältesten und historisch bedeutsamsten Methoden:
BSA (m²) = 0,007184 × Körpergröße (cm)^0,725 × Gewicht (kg)^0,425
Diese Formel basiert auf umfangreichen anatomischen Messungen und war lange Zeit der Goldstandard in der Medizin.
Vorteile:
- Lange Validierungsgeschichte
- Gut untersucht für verschiedene Populationen
- Zuverlässig für durchschnittliche Körpertypen
Einschränkungen:
- Komplexere Berechnung
- Kann bei Adipositas die BSA überschätzen
Haycock-Formel
Die 1978 entwickelte Haycock-Formel wird besonders in der Pädiatrie geschätzt:
BSA (m²) = 0,024265 × Körpergröße (cm)^0,3964 × Gewicht (kg)^0,5378
Diese Formel wurde speziell für Kinder validiert und zeigt bei pädiatrischen Patienten eine hohe Genauigkeit.
Vorteile:
- Sehr genau für Kinder und Jugendliche
- Gut validiert für pädiatrische Onkologie
- Berücksichtigt Wachstumsproportionen
Einschränkungen:
- Komplexe Berechnung
- Bei Erwachsenen nicht unbedingt genauer als Mosteller
Gehan & George-Formel
Die Gehan & George-Formel aus dem Jahr 1970 wird häufig in onkologischen Studien verwendet:
BSA (m²) = 0,0235 × Körpergröße (cm)^0,42246 × Gewicht (kg)^0,51456
Diese Formel basiert auf einer großen Studienpopulation und zeigt gute Übereinstimmung mit direkten Messungen.
Vorteile:
- Hohe Genauigkeit bei normalen bis übergewichtigen Patienten
- Gut validiert für onkologische Anwendungen
- Breites Gewichtsspektrum
Einschränkungen:
- Komplexe Berechnung
- Weniger verbreitet als Mosteller
Medizinische Anwendungen der Körperoberfläche
Die Körperoberfläche spielt in zahlreichen medizinischen Bereichen eine zentrale Rolle. Die wichtigsten Anwendungen umfassen:
Chemotherapie-Dosierung
Die bedeutendste Anwendung der KOF findet sich in der Onkologie. Die meisten Chemotherapeutika werden auf Basis der Körperoberfläche dosiert (mg/m²), da diese Methode eine präzisere und sicherere Dosierung ermöglicht als die gewichtsbasierte Berechnung.
Warum BSA-basierte Dosierung?
- Bessere Korrelation mit der metabolischen Aktivität
- Reduzierung von Über- und Unterdosierungen
- Standardisierung über verschiedene Körpertypen hinweg
- Verbesserte Vorhersage von Nebenwirkungen
Typische Chemotherapie-Dosierungen:
- Cisplatin: 50-100 mg/m²
- Doxorubicin: 60-75 mg/m²
- 5-Fluorouracil: 400-600 mg/m²
- Carboplatin: Berechnung nach Calvert-Formel unter Einbeziehung der GFR
Einschränkungen bei der Chemotherapie-Dosierung: Bei stark adipösen Patienten (BMI >30 kg/m²) empfehlen viele Leitlinien eine Dosisanpassung, da die Standard-BSA-Berechnung die tatsächlich benötigte Dosis überschätzen kann. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt in solchen Fällen eine individuelle Bewertung.
Medikamentendosierung allgemein
Neben der Chemotherapie werden zahlreiche andere Medikamente auf Basis der Körperoberfläche dosiert:
Antibiotika:
- Aminoglykoside bei kritisch kranken Patienten
- Einige Cephalosporine bei Kindern
Immunsuppressiva:
- Ciclosporin in bestimmten Protokollen
- Mycophenolat-Mofetil bei Transplantationen
Kardiovaskuläre Medikamente:
- Einige Antiarrhythmika
- Bestimmte inotrope Substanzen
Verbrennungsbeurteilung - Neuner-Regel
Die Neuner-Regel (Rule of Nines) ist ein standardisiertes System zur schnellen Einschätzung des Ausmaßes von Verbrennungen. Sie teilt die Körperoberfläche in Segmente zu jeweils 9% (oder Vielfache davon) auf:
Erwachsene:
- Kopf und Hals: 9%
- Jeder Arm: 9%
- Vorderer Rumpf: 18%
- Hinterer Rumpf: 18%
- Jedes Bein: 18%
- Genitalbereich: 1%
Kinder: Bei Kindern ist der Kopf proportional größer und die Beine kürzer, weshalb angepasste Prozentsätze verwendet werden.
Die genaue Kenntnis der KOF ist entscheidend für:
- Flüssigkeitsersatztherapie (Parkland-Formel)
- Einschätzung der Verbrennungsschwere
- Prognosestellung
- Behandlungsplanung
Nierenfunktion - Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)
Die glomeruläre Filtrationsrate wird häufig auf die Körperoberfläche normalisiert (mL/min/1,73 m²), um eine Vergleichbarkeit zwischen Patienten unterschiedlicher Größe zu ermöglichen.
Berechnung der GFR: Die geschätzte GFR (eGFR) wird mit Formeln wie CKD-EPI oder MDRD berechnet und dann auf eine Standard-KOF von 1,73 m² normalisiert:
Normalisierte GFR = Gemessene GFR × (1,73 / tatsächliche BSA)
Klinische Bedeutung:
- Diagnose chronischer Nierenerkrankungen
- Stadieneinteilung der Niereninsuffizienz
- Dosisanpassung nephrotoxischer Medikamente
- Überwachung der Nierenfunktion bei Diabetes und Hypertonie
GFR-Stadien:
- Stadium 1: ≥90 mL/min/1,73 m² (normal)
- Stadium 2: 60-89 mL/min/1,73 m² (leicht reduziert)
- Stadium 3a: 45-59 mL/min/1,73 m² (leicht bis mäßig reduziert)
- Stadium 3b: 30-44 mL/min/1,73 m² (mäßig bis stark reduziert)
- Stadium 4: 15-29 mL/min/1,73 m² (stark reduziert)
- Stadium 5: <15 mL/min/1,73 m² (Nierenversagen)
Herzindex (Cardiac Index)
Der Herzindex ist das Herzzeitvolumen normalisiert auf die Körperoberfläche:
Herzindex (L/min/m²) = Herzzeitvolumen (L/min) / BSA (m²)
Normalwerte:
- 2,5-4,0 L/min/m² (Erwachsene in Ruhe)
-
4,0 L/min/m² bei körperlicher Belastung
Der Herzindex bietet eine bessere Einschätzung der Herzleistung als das absolute Herzzeitvolumen, da er die Körpergröße berücksichtigt. Er wird verwendet bei:
- Intensivmedizinischer Überwachung
- Herzinsuffizienzbeurteilung
- Postoperativem Monitoring nach Herzoperationen
- Schockzuständen
- Beurteilung hämodynamischer Parameter
Pathologische Werte:
- <2,2 L/min/m²: Hinweis auf verminderte Herzleistung
- <1,8 L/min/m²: Schwere Herzinsuffizienz oder kardiogener Schock
Durchschnittswerte der Körperoberfläche
Die Körperoberfläche variiert erheblich je nach Geschlecht, Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Körperbau. Folgende Durchschnittswerte dienen als Orientierung:
Erwachsene Männer
Die durchschnittliche Körperoberfläche eines erwachsenen Mannes beträgt 1,9 m².
Typische Bereiche:
- Kleine Statur (165 cm, 65 kg): ca. 1,7 m²
- Durchschnittliche Statur (178 cm, 80 kg): ca. 1,9-2,0 m²
- Große Statur (190 cm, 95 kg): ca. 2,2-2,3 m²
- Adipöse Männer (>100 kg): 2,3-2,8 m²
Erwachsene Frauen
Die durchschnittliche Körperoberfläche einer erwachsenen Frau beträgt 1,6 m².
Typische Bereiche:
- Kleine Statur (155 cm, 50 kg): ca. 1,4 m²
- Durchschnittliche Statur (165 cm, 65 kg): ca. 1,6-1,7 m²
- Große Statur (175 cm, 75 kg): ca. 1,8-1,9 m²
- Adipöse Frauen (>85 kg): 2,0-2,4 m²
Kinder und Jugendliche
Die Körperoberfläche bei Kindern ist stark altersabhängig und korreliert mit Wachstum und Entwicklung:
Neugeborene:
- Frühgeborene (<2,5 kg): 0,15-0,20 m²
- Termingeborene (3-4 kg): 0,20-0,25 m²
Säuglinge und Kleinkinder:
- 6 Monate (7-8 kg): ca. 0,35-0,40 m²
- 1 Jahr (9-10 kg): ca. 0,45-0,50 m²
- 2 Jahre (12-13 kg): ca. 0,55 m²
- 5 Jahre (18-20 kg): ca. 0,75-0,80 m²
Schulkinder:
- 8 Jahre (25-28 kg): ca. 0,95-1,00 m²
- 10 Jahre (32-35 kg): ca. 1,15-1,20 m²
Jugendliche:
- 12 Jahre (40-45 kg): ca. 1,35-1,45 m²
- 15 Jahre (55-65 kg): ca. 1,60-1,75 m²
- 18 Jahre: Annäherung an Erwachsenenwerte
KOF in der Onkologie
Die Körperoberfläche spielt in der onkologischen Therapie eine zentrale Rolle, da die meisten Zytostatika auf Basis der BSA dosiert werden. Dies basiert auf der Annahme, dass die Körperoberfläche besser mit dem Metabolismus und der Clearance von Chemotherapeutika korreliert als das Körpergewicht.
Standarddosierung in der Onkologie
Prinzip der BSA-basierten Dosierung:
- Berechnung: Dosis (mg) = Standarddosis (mg/m²) × BSA (m²)
- Ziel: Gleichmäßige systemische Exposition unabhängig von Körpergröße
- Vorteil: Reduzierung interindividueller Variabilität
Häufig verwendete Chemotherapeutika mit BSA-Dosierung:
Platinverbindungen:
- Cisplatin: 50-100 mg/m² alle 3-4 Wochen
- Carboplatin: Nach Calvert-Formel (AUC-basiert)
- Oxaliplatin: 85-130 mg/m² alle 2-3 Wochen
Anthrazykline:
- Doxorubicin: 60-75 mg/m² alle 3 Wochen
- Epirubicin: 100-120 mg/m² alle 3-4 Wochen
- Daunorubicin: 45-60 mg/m² alle 3 Wochen
Antimetabolite:
- 5-Fluorouracil: 400-600 mg/m² Bolus, 2400-3000 mg/m² Infusion
- Gemcitabin: 1000-1250 mg/m² wöchentlich
- Methotrexat: 30-12.000 mg/m² (dosisabhängig von Protokoll)
Taxane:
- Paclitaxel: 175-225 mg/m² alle 3 Wochen
- Docetaxel: 75-100 mg/m² alle 3 Wochen
Besondere Populationen in der Onkologie
Adipöse Patienten (BMI >30 kg/m²): Die ASCO-Leitlinien empfehlen:
- Verwendung des tatsächlichen Körpergewichts zur BSA-Berechnung
- Keine routinemäßige Dosisreduktion
- Engmaschiges Monitoring auf Toxizität
- Individuelle Anpassungen nach klinischem Befinden
Untergewichtige Patienten:
- Besondere Vorsicht bei Kachexie
- Erhöhtes Toxizitätsrisiko
- Möglicherweise Dosisreduktion erforderlich
- Berücksichtigung von Organfunktionen
Pädiatrische Onkologie:
- Verwendung spezialisierter Formeln (häufig Haycock)
- Maximaldosen trotz BSA-Berechnung
- Berücksichtigung der Reife von Stoffwechselwegen
- Engere Überwachung erforderlich
Limitationen der BSA-Dosierung
Kritikpunkte:
- Interindividuelle Variabilität: Trotz BSA-Anpassung besteht erhebliche Variabilität in Pharmakokinetik und Pharmakodynamik
- Adipositas: BSA-Formeln können bei Adipositas ungenau sein
- Keine Berücksichtigung von Organfunktionen: Nieren- oder Leberfunktion werden nicht direkt einbezogen
- Genetische Faktoren: Polymorphismen in Metabolisierungsenzymen werden ignoriert
Alternative Ansätze:
- Therapeutic Drug Monitoring (TDM)
- Pharmakogenetische Tests
- AUC-basierte Dosierung (z.B. Carboplatin)
- Gewichtsbasierte Dosierung bei bestimmten Substanzen
Einschränkungen der KOF-Berechnung
Obwohl die Körperoberfläche ein wertvolles Instrument in der Medizin ist, gibt es wichtige Einschränkungen und Situationen, in denen die Berechnung ungenau sein kann:
Adipositas und Übergewicht
Bei stark übergewichtigen Patienten können BSA-Formeln die tatsächliche metabolisch aktive Oberfläche überschätzen:
Problematik:
- Fettgewebe hat geringere metabolische Aktivität als Muskel- oder Organgewebe
- Standard-BSA-Formeln unterscheiden nicht zwischen Fett- und Muskelmasse
- Kann zu Überdosierung von Medikamenten führen
Lösungsansätze:
- Verwendung des idealen Körpergewichts oder adjusted body weight
- Berücksichtigung des BMI bei der Dosisanpassung
- Therapeutisches Drug Monitoring bei kritischen Medikamenten
- Klinische Beurteilung und engmaschiges Monitoring
Adjusted Body Weight: ABW (kg) = IBW + 0,4 × (tatsächliches Gewicht - IBW)
Dieser Wert kann für BSA-Berechnungen bei adipösen Patienten verwendet werden.
Ödeme und Aszites
Flüssigkeitsansammlungen verfälschen die BSA-Berechnung erheblich:
Betroffene Zustände:
- Herzinsuffizienz mit peripheren Ödemen
- Leberzirrhose mit Aszites
- Nephrotisches Syndrom
- Lymphödeme
Empfehlungen:
- Verwendung des Trockengewichts (nach Diurese)
- Schätzung des Flüssigkeitsüberschusses
- Klinische Beurteilung des tatsächlichen Körpervolumens
- Anpassung nach klinischem Ansprechen
Amputationen und Fehlbildungen
Bei Patienten mit Amputationen oder angeborenen Fehlbildungen ist die Standard-BSA-Berechnung ungenau:
Anpassungen:
- Verwendung spezialisierter Berechnungsmethoden
- Reduktion der BSA proportional zur fehlenden Körpermasse
- Individuelle medizinische Bewertung erforderlich
Extremes Untergewicht
Bei kachektischen Patienten, Anorexie oder schwerer Mangelernährung:
Risiken:
- Überschätzung der metabolischen Kapazität
- Erhöhtes Toxizitätsrisiko bei Medikamenten
- Verminderte Organfunktion
Vorgehen:
- Konservative Dosierung
- Berücksichtigung von Albumin- und Proteinwerten
- Engmaschiges Monitoring
- Schrittweise Dosissteigerung wenn toleriert
KOF vs. BMI - Unterschiede und Anwendungen
Sowohl die Körperoberfläche (KOF/BSA) als auch der Body-Mass-Index (BMI) sind wichtige Körpermaße, dienen aber unterschiedlichen Zwecken:
Body-Mass-Index (BMI)
Berechnung: BMI = Gewicht (kg) / [Körpergröße (m)]²
Hauptanwendungen:
- Klassifikation von Über- und Untergewicht
- Epidemiologische Studien
- Gesundheitsrisikobewertung
- Screening auf ernährungsbezogene Probleme
Vorteile:
- Sehr einfache Berechnung
- Weitgehend standardisiert
- Gut erforscht für Bevölkerungsgruppen
Nachteile:
- Unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse
- Keine Berücksichtigung der Fettverteilung
- Weniger geeignet für individuelle medizinische Dosierungen
Körperoberfläche (KOF/BSA)
Berechnung: Verschiedene Formeln (Mosteller, Du Bois, etc.)
Hauptanwendungen:
- Medikamentendosierung (Chemotherapie)
- Normalisierung physiologischer Parameter (Herzindex, GFR)
- Verbrennungsbeurteilung
- Intensivmedizinische Berechnungen
Vorteile:
- Bessere Korrelation mit metabolischen Prozessen
- Präzisere Grundlage für Medikamentendosierung
- Berücksichtigt sowohl Größe als auch Gewicht proportional
Nachteile:
- Komplexere Berechnung
- Mehrere unterschiedliche Formeln verfügbar
- Kann bei Adipositas ungenau sein
Wann welches Maß verwenden?
BMI verwenden für:
- Allgemeine Gewichtsklassifikation
- Bevölkerungsstatistiken
- Screening auf Adipositas oder Untergewicht
- Gesundheitsrisikobewertung
KOF verwenden für:
- Chemotherapie-Dosierung
- Berechnung von Herzindex, GFR oder anderen normalisierten Parametern
- Verbrennungsbeurteilung
- Präzise Medikamentendosierung in der Intensivmedizin
Beide Parameter ergänzen sich und sollten in der klinischen Praxis gemeinsam betrachtet werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen zur Körperoberfläche
Wie berechne ich meine Körperoberfläche?
Die einfachste Methode ist die Mosteller-Formel: BSA (m²) = √[(Körpergröße in cm × Gewicht in kg) / 3600]. Sie können auch unseren kostenlosen Online-Rechner verwenden, der mehrere Formeln anbietet und Ihnen sofort Ihre KOF anzeigt.
Welche Formel ist am genauesten?
Die Mosteller-Formel gilt als Standard und wird von den meisten medizinischen Fachgesellschaften empfohlen. Sie ist einfach, gut validiert und ausreichend genau für die meisten klinischen Anwendungen. Bei Kindern kann die Haycock-Formel präziser sein.
Warum wird Chemotherapie nach Körperoberfläche dosiert?
Die Körperoberfläche korreliert besser mit dem Stoffwechsel und der Ausscheidung von Chemotherapeutika als das Körpergewicht allein. Dies ermöglicht eine präzisere und sicherere Dosierung, die das Risiko von Über- oder Unterdosierung reduziert und die Wirksamkeit optimiert.
Was ist eine normale Körperoberfläche?
Für erwachsene Männer liegt der Durchschnitt bei etwa 1,9 m², für Frauen bei 1,6 m². Bei Kindern variiert die KOF stark mit Alter und Größe. Die Spanne bei Erwachsenen reicht typischerweise von 1,4 m² bis 2,5 m², kann aber bei sehr kleinen oder sehr großen Personen darüber hinausgehen.
Ist die Körperoberfläche bei Adipositas genau?
Bei starker Adipositas (BMI >30 kg/m²) können Standard-BSA-Formeln die metabolisch relevante Oberfläche überschätzen, da Fettgewebe weniger metabolisch aktiv ist. In solchen Fällen empfehlen medizinische Leitlinien oft eine individuelle Bewertung und möglicherweise die Verwendung eines angepassten Körpergewichts.
Wie unterscheidet sich die KOF vom BMI?
Der BMI ist ein einfacher Index zur Gewichtsklassifikation (Gewicht/Größe²), während die KOF die berechnete Körperoberfläche in Quadratmetern darstellt. Die KOF wird hauptsächlich für medizinische Dosierungen und physiologische Berechnungen verwendet, während der BMI zur Beurteilung von Über- und Untergewicht dient.
Muss ich meine Körperoberfläche regelmäßig neu berechnen?
Bei signifikanten Gewichtsveränderungen (>5 kg) oder während Wachstumsphasen bei Kindern sollte die KOF neu berechnet werden. Bei stabilen Erwachsenen ist eine Neuberechnung nur bei deutlichen Körperveränderungen erforderlich. In der laufenden Chemotherapie wird die BSA regelmäßig kontrolliert.
Welche Rolle spielt die KOF bei Verbrennungen?
Die Körperoberfläche ist entscheidend für die Beurteilung des Verbrennungsausmaßes nach der Neuner-Regel und die Berechnung der notwendigen Flüssigkeitsersatztherapie (Parkland-Formel). Das Ausmaß der Verbrennung wird als Prozentsatz der gesamten Körperoberfläche angegeben.
Kann ich meine Körperoberfläche vergrößern oder verkleinern?
Die Körperoberfläche ändert sich mit Gewichtsveränderungen und Körpergröße. Bei Erwachsenen kann nur das Gewicht beeinflusst werden, was die BSA entsprechend verändert. Gewichtszunahme erhöht die KOF, Gewichtsabnahme verringert sie. Die Körpergröße bleibt nach Wachstumsabschluss konstant.
Wird die KOF auch in der Pädiatrie verwendet?
Ja, die Körperoberfläche ist besonders wichtig in der Kinderheilkunde für die Dosierung vieler Medikamente. Bei Kindern wird häufig die Haycock-Formel verwendet, da sie für das Wachstum und die Proportionen im Kindesalter besser validiert ist. Die KOF von Kindern muss bei Wachstum regelmäßig neu berechnet werden.
Beeinflusst Muskelmasse die Körperoberfläche?
Ja, höhere Muskelmasse bei gleichem Gewicht kann zu einer etwas größeren Körperoberfläche führen, da Muskelgewebe dichter ist als Fettgewebe. Allerdings unterscheiden Standard-BSA-Formeln nicht direkt zwischen Muskel- und Fettmasse - sie berücksichtigen nur Gesamtgewicht und Körpergröße.
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Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen und Berechnungen dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen nicht die professionelle Beurteilung durch einen qualifizierten Arzt oder medizinisches Fachpersonal.
Wichtige Hinweise:
- Die Berechnung der Körperoberfläche mittels standardisierter Formeln kann Ungenauigkeiten aufweisen, insbesondere bei Adipositas, Ödemen, Amputationen oder anderen besonderen körperlichen Bedingungen
- Medikamentendosierungen, insbesondere von Chemotherapeutika, dürfen ausschließlich von qualifizierten Onkologen und medizinischem Fachpersonal vorgenommen werden
- Die hier dargestellten Durchschnittswerte und Berechnungen ersetzen keine individuelle medizinische Untersuchung und Bewertung
- Bei gesundheitlichen Fragen, Symptomen oder zur Therapieplanung konsultieren Sie immer einen Arzt
- Nehmen Sie keine Selbstmedikation auf Basis der hier bereitgestellten Informationen vor
Für medizinische Notfälle wählen Sie bitte umgehend den Notruf 112.
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